Rekonstruktion der Krayenburg Grundriß von 1650
1 Burgeingang 2 Gußerker (um den Feind mit Pech übergießen zu können) 3 Mauer (Brusthöhe) 4 Ringmauer (Zwingmauer, 2 Meter stark) 5 großer Zwinger (äußerer Burghof, mit Schwalbenschwanzzinnen versehen) 6 Treppe (rechts vom Burgeingang, führte auf die Außenmauer) 7 Zisterne (links vom Burgtor, lag auf einem erhöhten Plateau, zu dem eine Treppe hinaufführte (8) 8 steinerne Treppe 9 Halsgraben (trennte großen Zwinger von der Hauptburg (Hofburg) 10 Wohnturm 11 kleiner Zwinger 12 Zugbrücke (führte über den Halsgraben) 13 hallenartiger verschließbarer Durchgang mit Fallgitter 14 Ringmauer 15 innerer Burghof 16 Palas 17 Freitreppe (führte in das 1 Stockwerk des Palas, man trat durch eine schwere eichene Doppeltüre in ,,des Herren Gemach") 18 Berchfrit 19 Kapelle 20 - 22 Backhaus, Reiterstall und Scheune 23 innerster Burghof (Haupteingang der Kapelle) 24 Gefängnis (Erdgeschoß. Als der Berchfrit noch stand, diente dieser Raum wohl nur als Keller) 25 großes Gewölbe 26 Treppe (führte auf die Ringmauer) 27 Turm 28 Bastion 29 Mauereckpfeiler 30 Halsgraben mit Wall 31 Mauerturm 32 großer Turm (neben der Zugbrücke) 33 Turm mit Wendeltreppe 34 Mauerpforte 35 Gußerker 36 offene Halle 37 Zugang zu den beiden Kellergewölben (heute noch erhalten) 38 Küche 39 Kamin 40 Kammer 41 Speisekammer 42 Rittersaal (,,des Herren Gemach") 43 Wendeltreppe (führte in das zweite Stockwerk des Palas) 44 Kamin 45 schmaler Gang (führte auf die Ringmauer) 46 Schlafzimmer 47 Badezimmer 48 steinerne Kammer (lag über dem Gefängnis, war der einzige Zugang zu diesem, warf die Gefangenen von da aus in das finstere Gewölbe hinab, und das nicht gerade Sanft.) 49 große Hofstube 50 großer Saal 51 Kammer für Gäste (war vom Burgkaplan bewohnt) 52 Badezimmer 53 großer Saal 54 Kammer 55 Erker (54 u. 55 war die Kemnate der Burgherrin) 56 4 - 5 Meter breiter Zwischenraum, der durch ein Tor mit Wehrgang und Pechnase ausgefüllt wurde.
Ein herzliches Dankeschön an Herr Manfred Beck für diese Skizzen und Bilder:
Ausschnitt aus der Vermessungsskizze der Krayenburg 1998
zeigt Zwischenstand der Abtragungen im Herbst 1998
zeigt einen Teil der Kellermauern bzw. des ursprünglichen
Erdgeschosses
Anmerkungen von Hr. Manfred Beck: Die hervorragende Qualität
des Mauerwerkes am Palas läßt darauf schließen, daß
hier hochwertige Steinmetztechniker am Werk waren, die letzten Säulenkapitelle
wurden im 19.Jh zur Wartburg verbracht.
Zur Erbauungszeit waren diese Spezies in der Regel Bauhütten der
Klöster, in unserem Fall wohl Hersfeld. Ein "kleiner" Ritter konnte
derartige Perfektion nicht bezahlen und so kann man mit ziemlicher Sicherheit
von einer vermögenden Person bzw. dem Hersfelder Abt als Bauherrn
ausgehen. Da die Burg nur gelegentlich von den Äbten, im Rahmen ihrer
"Staatsgeschäfte" aufgesucht wurde, wurden Burgmänner aus dem
niederen Adel auf der Burg als Verwalter und Militärs eingesetzt.
Hierin finden wir zunächst die Frankensteiner als Dienstmanner der
Abtei von Hersfeld.
Zum Keller selbst:
Der jetzige, untere Gewölbekeller ist nachträglich eingebaut
worden. Er ersetzt eine ältere hölzerne Geschoßdecke, wie
man sie z.B. auch auf der Wartburg findet. Die Behauptung, daß die
Krayenburg die "Mutter der Wartburg" sei, ist sicher falsch.
Die beiden Burgen hatten unterschiedliche Bauherren und die Ludowinger
hatten im 11.Jh noch keine Besitzungen jenseits des Gebirgskammes. Wenn
eine Burg diesen Namen verdienen würde, so wäre es die Schauenburg
bei Friedrichroda ca. 25 km östlich von Eisenach. Diese Burg war die
Ausgangspositon aller ludowingischer Aktivitäten und wurde nach dem
Bau der Wartburg aufgegeben. Heute sieht man dort nur bearbeitete Felsen
und einige Bodenfunde im Museum.
Das Kloster Hersfeld wurde (ab) 775 "in sua proprietate" d.h. auf eigenem
Grund/Boden erbaut, die Ansiedlung bzw. der Hof Dorndorf wurden 768 geschenkt,
daraus folgt nicht unmittelbar, daß man 787 mit dem Bau der Burg
begonnen hat. Da mußte schon einiges an Besitz zusammengekommen,
um die Krayenburg auch zu versorgen ...
2. Argument: Der Steinbau setzt sich erst nach 1000 in Thüringen
durch, die Burgenbau-Politik Heinrichs IV. waren der Motor, doch selbst
diese Königsburgen waren meist als (billigere) Holz-Erde-Bauten konzipiert.
Weitere Bilder von den Ausgrabungen und Arbeiten auf der Krayenburg 1998
Seite erstellt von Kornelia Neuner am 5. Oktober 1998 und überarbeitet am 9.Januar 2000
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