Der Stammbaum der Frankensteiner

mit Seybold I., II. und III. auf Krayenberg

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Dr. Bergmann, Gerd
Die Burg Metilstein bei Eisenaeh -
Legende und Wirklichkeit
In: Strassen und Burgen um Eisenach.
Eisenach. 1993 S. 77-91.

...
Die Frankensteiner waren entgegen der vielfach anzutreffenden Behauptung kein
uraltes Herrengeschlecht in Thüringen. Sie waren vielmehr eine Nebenlinie des
Hauses Henneberg, die 1137 erstmals erschien. Über die Anfänge des Hauses
Henneberg berichtet die "Historia brevis prineipurn Thuringiae" #184: "Hildegardis,
que Popponi comiti de Hennenberc coniuncta ab eo suscepit duos filios Boppo-
nem et Goteboldum . Poppo iunior tres filios genuit, Bopponem de Irmenoldis-
husen, Ludewicum de Vrankenstein, Goteboldum de Wasungen". In sinngem„-
áer deutscher Übersetzung: "Hildegard, welche mit dem Grafen Boppo von Hen-
neberg verheiratet war, empfing von ihm zwei Söhne: Boppo und Gotebold .
Boppo der Jüngere zeugte drei Söhne: Boppo von Irmelshausen, Ludwig von
Frankenstein und Gotebold von Wasungen". Zickgraf #185 schreibt hierzu: "Die
Nachkommen Poppos II., bezeugt bis 1156, sind seine Söhne die Brüder Poppo
III., Ludwig I. und Godebold, die um 1140 auch urkundlich erscheinen #186. Seit
dieser Zeit werden die drei Brüder niemals mehr zusammen genannt. Gleichzeitig
taucht ein Ludwig von Frankenstein zusammen mit seinem Bruder Godebold auf.
der sich 1137 und 1140 nach der Burg Henneberg benennt #187. Dieses auffällige
Zusammentreffen bestätigt die annalistische Überlieferung, daß tatsächlich der
mittlere Sohn Poppos II. der Stammvater der Herren von Frankenstein ist." Lud-
wig I. von Frankenstein ist von 1137 bis 1164 bezeugt, seine Söhne sind Ludwig
II., bezeugtvon 1168 bis 1197, Siboto (1168 bis 1197) und Godebold (1170 bis
1197) #188.

Dem ist nur noch hinzuzufügen, daß auch die auffällige Wiederkehr der Namen
den Zusammenhang mit den Hennebergern bestätigt und es deshalb auch kein
Zufall war, daß 1330 der Verkauf der Frankensteiner Besitzungen und Gerecht-
same an das Haus Henneberg erfolgte.

Damit ist aber festzustellen, daß die Frankensteiner erst 1137 als selbständige
Herren in Erscheinung traten. Das war 70 Jahre nach dem sagenhaften Grün-
dungsjahr der Wartburg und 57 Jahre nach der ersten schriftlichen Erwähnung
der Wartburg durch den sächsischen Annalisten Bruno. Zur Zeit der Wartburg-
erbauung gab es demzufolge noch gar keine Herren von Frankenstein. Die Stelle,
wo sie (die Wartburg) errichtet wurde, kann demzufolge auch nicht im frankensteinisehen Ge-
richte gelegen haben, wie sich Johannes Rothe ausdrückte. Alle daran geknüpften
Schlußfolgerungen fallen deshalb in sich zusammen.

Da es keinerlei Beleg dafür gibt, daß der Metilstein jemals den Frankensteinern ge-
hörte, außer der als unhaltbar erkannten Mitteilung der Sage, kann damit aber
auch nicht mit Sicherheit festgestellt werden, daß der Metilstein zur Zeit der Er-
bauung der Wartburg noch nicht bestanden habe. Für die Existenz des Metilsteins
gibt es aber auch keinen positiven Beweis. Gegen die Annahme, daßder Metil-
stein zur Zeit der Erbauung der Wartburg schon bestand, spricht die Tatsache,
daß der Metilstein erstmals 1248 urkundlich in Erscheinung tritt. Es ist äußerst
unwahrscheinlich, daß diese Burg schon 200 Jahre vor ihrer ersten urkundlichen
Erwähnung bestanden haben soll. Von der Wartburg war immerhin schon 13
Jahre nach dem sagenhaften Gründungsjahr die Rede und urkundlich erschien
sie erstmals 1138 #189.

Der Metilstein erscheint außer der bei Rothe zur Zeit der Wartburggründung be-
haupteten Existenz auch erst viel später in der chronikalischen Überlieferung,
nämlich im Zusammenhang mit dem Thüringischen Erbfolgekrieg Mitte des 13.
Jahrhunderts. Um diese Zeit war die Existenz dieser Burg bereits urkundlich be-
legt. Es ist als unwahrscheinlich anzusehen, daß eine Burg so lange vor ihrer ur-
kundlichen Ersterwähnung bestanden haben soll und auch in Chronikberichten
keine Berücksichtigung findet. Wir halten deshalb den Schluß für berechtigt, daß
der Metilstein erst kurz vor seiner urkundlichen Ersterwähnung, also kurz vor
1248, entstanden ist.
 
 
 

#185 Zickgraf, Eilhard, Die gefürstete Grafschaft Henneberg - Schleusingen, Marburg 1944 S. 80.
#186 Urkundensammlung Dobenecker I Nr. 1417.
#187 Dobenecker I Nrn. 1347, 1392 und 1396, II Nrn. 17, 20, 121, 186, 205, 284, 313.
#188 Zickgraf, a. a. O. S. 66.
#189 Dohenecker I Nr. 1354.

Esa1668.jpg (20898 Byte)
Ausschnitt einer Kopie des ehemals im Eisenacher Rathaus vorhandenen Gemäldes von 1668
"Eisenach - die Stadt, wie sie vor alters her gestanden hat"
Ganz rechts im Hintergrund die Crayenburg, links daneben Metilstein
Bild von Herrn Manfred Beck

Patze, H.
Handbuch d. histor. Stätten. 9.Bd. - Thringen -

>>> Frankenstein

Frankenstein (Kr. Bad Salzungen). Zwei km ö. von Bad Sal-
zungen erhebt sich auf einem steilen Bergkegel seit 1888 an der
Stelle der Stammburg der Dynasten v. Frankenstein eine künstliche Ruine.
Die Herren v. Frankenstein waren eine Seitenlinie der Gff. v. Henneberg.
Als Stammvater wird Poppo II. betrachtet, dessen zweiter Sohn
Ludwig sich seit 1137 nach der Burg Frankenstein nannte. Rechtsgesch. ist
von Interesse, daß Ludwig I. v. Frankenstein, Angehöriger eines alten Hoch-
adelsgeschlechtes (Henneberg), sich seine Herrschaft am
W-Rand des Thüringer Waldes in Anlehnung an das Kl. Hers-
feld aufbaute und es nicht verschmähte, sich 1153 als Hersfelder
Ministeriale bezeichnen zu lassen, während er 1158 den Grafen-
titel führte, gelegentlich aber auch als Freier® in den Urkk.
erscheint. Die v. Frankenstein haben verm. den Übergang des Kl. (Herren)
Breitungen von den Lgff. v. Thüringen an Hersfeld genutzt,
um sich in den Besitz der Vogtei über Herrenbreitungen zu set-
zen. Als Vogt von Herrenbreitungen erscheint Ludwig III. v. Frankenstein
(1226-65). Das Geschlecht leistete sich Übergriffe gegen das
ihrem Schutz anvertraute Kl. Herrenbreitungen. In der M. 13. Jh. hatte
es seiner Höhepunkt erreicht. Der Besitz der v. Frankenstein lag fast
ausschließlich in den Grenzen des Forstes, den sie 1330 an Henne-
berg verkauften. Er deckte sich im Kern mit dem Wildbann, den
1016 Ks. Heinrich II. dem Kl. Hersfeld übertragen hatte; seine
Grenzen sind durch die Frankensteiner Wildbannbeschreibung von 1330
genau bekannt. Die Versuche der Frankensteiner, sich gegen die stärkste
Macht in diesem Raum, Fulda, durchzusetzen, scheiterte. Ber-
thous II. zerstörte 1265 die Burg Frankenstein (Schannat). 1295/96 standen
die Frankensteiner gegen Adolf v. Nassau und Fulda. Die Burg Frankenstein wurde
im Triptiser Vertrag von 1293 von Lgf. Albrecht für 1000 Mark
an Diezmann abgetreten (unbekannt, auf welcher Rechtsbasis)
und 1295 von Adolf v. Nassau erstürmt. Die v. Frankenstein traten die Vogtei
Herrenbreitungen als Ausstattung einer Tochter an deren Gatten
Günther v. Salza kurz vor 1300 ab. Zerwürfnisse im Hause Frankenstein
beschleunigten den Niedergang. 1306 erkaufte Fulda einen An-
teil an Burg Frankenstein und Salzungen, 1311 mußte Heinrich v. Frankenstein an
Fulda Salzungen, Frankenstein, Waldenburg und Zent Dermbach für stän-
dig abtreten. Nach weiteren schwankenden Kämpfen verkauften
die letzten beiden Frankensteiner 1330 ihren Wildbann und ihre Hersfelder
Lehen an den Gf. Berthold VII. v. Henneberg und verzichteten
1330 gegen eine Abfindungssumme auf alle früher an Fulda
verkauften Besitzungen. Die Frankensteiner Wildbannbeschreibung von
1330 ist eine der wichtigsten topographischen Quellen für West-
thüringen. Der Wildbann schließt die Dorndorfer und Brei-
tunger Markbeschreibungen und den 1016 an Hersfeld verlie-
henen Wildbann in sich ein und greift über diese Gebiete im N
und S noch hinaus. Die Beschreibung beginnt an der Werra n.
Gerstungen, führt nach Wilhelmsthal, zum Kissel, Rennsteig bis
zum Groáen Inselsberg, verläuft dann s. Schmalkalden bis nahe
Wasungen, biegt bis nach Geisa aus und führt am Lauf der
Ulster zur Werra und an dieser zurück nach Gerstungen. Nach
1347 verschwinden die Frankensteiner aus den Urkk.
 
 

Poponnen

Frankensteiner

Krayenburg